5. Dezember

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Meine Lieben, heute habe ich eine Geschichte für euch. Ich denke, sie regt ein wenig zum Grübeln an und es steckt ein wahrer Kern darin.

JENSEITS DES TIEF VERSCHNEITEN WALDES

copyright: Ulrike Baumann

Jenseits des tief verschneiten Waldes trafen sich an Beginn der Adventzeit die Liebe, die Zufriedenheit, der Traum und die Weisheit. Die Weisheit hatte diese wichtige Versammlung einberufen. Die Liebe war in ihrem besten roten Kleid erschienen und neben dem weiten Sternenmantel des Traumes wirkte das bescheidene Kleid der Zufriedenheit ganz glanz- und wertlos. „Es freut mich, dass ihr alle so pünktlich erschienen seid“, sprach die Weisheit. Im tief verschneiten Wald herrschte friedliche Stille und nur hin und wieder war der Schrei eines Nachtkauzes zu hören. „Ich habe euch zu mir gebeten, um mir zu helfen, wieder wahre Gefühle zu der gefühlsverwahrlosten Menschheit zu bringen. Seht euch um, wo ist die Liebe geblieben – kurzfristig vielleicht wird sie angenommen, gehegt und gepflegt, aber nach einiger Zeit wird sie abgelegt wie ein Kleidungsstück, das zu kurz oder zu eng geworden ist. Und wer ist heute noch zufrieden? Jeder will mehr, vor allem mehr als der andere besitzen, mehr Macht und mehr Geld haben. Die Träume der Menschen werden ausnahmslos analysiert und auf der Couch eines Psychoanalytikers breitgetreten.“ An dieser Stelle seufzte der Traum tief in seinen Sternenmantel und nickte zustimmend. „Die Menschen haben das Lachen verlernt, und dabei führt das Lachen allein zur Liebe“, ergänzte die Liebe leise und man merkte, dass sie leicht zu frieren begann. Die Zufriedenheit wischte sich ihre Nase am Zipfel ihrer Kleiderschürze ab und steckte die Hände noch tiefer in die Jackentaschen, denn ihr war mittlerweile auch kalt geworden. „Wir sollten die Adventzeit nützen“, erhob die Weisheit wieder ihr Wort, „und versuchen, die Herzen der Menschen ein klein wenig zu öffnen. Wenn uns das gelingt, so ist schon ein entscheidender Schritt getan, unsere Welt ein wenig zu verbessern.“ „Aber verlange nicht von uns, dass wir so eine Story wie mit Ebenezer Scrooge spielen“, meldete sich nun energisch der Traum zu Wort. „Diese Geschichten liebe ich nicht besonders, außerdem fürchte ich mich vor rasselnden Ketten.“ Mit Schaudern dachte der Traum an die Geschichte der zukünftigen Weihnacht, die er dem stolzen Ebenezer Scrooge auftischen musste. „Keine Sorge, lieber Traum“, sagte die Weisheit, „ich habe eine viel bessere Idee. Ihr macht euch jetzt auf den Weg, und bringt mir bis zum Heiligen Abend ein Geschenk mit, das den drei Grundsätzen „Liebe“, „Zufriedenheit“ und „Träumen“ entspricht. Und diese Geschenke werden wir an diesem Abend auf der Welt verteilen. Je nachdem welche Geschenke ihr bringt, wird es mit der Verbesserung der Welt rascher oder langsamer voran gehen.“ „Welch kluge Ideen du doch immer hast“, sagte die Liebe. „Lasst uns doch gleich beginnen, denn bis zum Heiligen Abend sind nur noch 24 Tage Zeit.“ „Wir treffen uns also am Heiligen Abend hier an dieser Stelle bei Einbruch der Dunkelheit“, rief ihnen die Weisheit nach.

Die Zeit verging sehr schnell. Der Tag des ausgemachten Treffens rückte immer näher. Die Weisheit hoffte sehr, dass die Drei solche Geschenke bringen werden, die auch wirklich mithelfen würden, die Welt ein kleinwenig zu verbessern. Endlich war es soweit und die Weisheit machte sich auf den Weg zum vereinbarten Treffpunkt. Wie erstaunt war sie, als die Liebe, der Traum und die Zufriedenheit schon da waren. „Nun, meine Lieben, was habt ihr mir mitgebracht“, fragte die Weisheit. Der Traum trat vor und sprach: „Wir sind lange umhergeirrt und haben versucht, passende Geschenke zu finden. Es war nicht leicht. Doch wir hoffen, wir haben deine Aufgabe gut gelöst. Hier ist mein Geschenk.“ Der Traum hob seinen sternenbesetzten Mantel hoch, und hervor trat die Hoffnung. „Ich habe dir die Demut mitgebracht“, rief die Liebe und sie erstrahlte bei diesem Satz in einem ganz zarten Rosa. „Und ich habe das Glück gefunden“, sprach die Zufriedenheit, „es hat mir fest versprochen, uns zu helfen.“ Die Weisheit schmunzelte: „Ihr habe die einzig richtigen Geschenke gefunden. In unseren Träumen spiegelt sich die Hoffnung wieder, die Demut ist Bestandteil der Liebe und das Glück ist unzertrennbar mit der Zufriedenheit verbunden. Ihr habt ausgezeichnet gewählt. Ich bin sehr stolz auf euch. Denn mit der Hoffnung, dem Glück und der Demut werden wir die Menschen heiterer, fröhlicher und ein klein wenig weiser machen können.“ Die Liebe, die Demut, der Traum und die Hoffnung, die Zufriedenheit und das Glück nahmen sich bei den Händen und die Weisheit in die Mitte, und man hörte sie noch bis tief in die Nacht hinein lachen, singen und tanzen.

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1 Kommentar zu „5. Dezember“

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