23. Dezember

Meine Lieben, der Advent ist fast um. Nehmt euch noch ein paar Minuten Zeit um zu verschnaufen und den Stress der Vorbereitungen abzubauen

Das Interview mit dem Christkind (Copyright: Ulrike Baumann)

Victoria machte sich heute besonders sorgfältig zurecht. Rosa oder Lila? Keine leichte Entscheidung. Schließlich entschied sie sich doch für eine schlichte Jean und eine mit lila Spitzen verbrämte zart rosafarbene Bluse. Schnell noch die passenden Haarspangen ins Haar gesteckt, ein zartes Make-up auf die Wangen und Lippen und los ging es. „Nur jetzt kein Stau auf der Umfahrungsstraße“, hoffte Victoria während sie zu ihrem Wagen eilte. Sie arbeitete seit einiger Zeit als Moderatorin bei einem kleinen regionalen Radiosender. Für die heutige Sendung war ein prominenter Gast geladen – das Christkind. Hastig immer zwei Stufen gleichzeitig nehmend, eilte sie die zwei Stockwerke hinauf zum Aufnahmestudio des Senders. Mit einem heiteren „Weihnachtlich schönen Morgen“ begrüßte sie ihre Kollegen. „Dein Besuch ist schon hier – in Deinem Büro“, rief ihr der Aufnahmeleiter zu. Victoria war ein wenig aufgeregt, atmete noch einmal tief durch und betrat ihr Büro. „Schön, dass Sie die Zeit gefunden haben, meiner Einladung zu folgen, sehr herzlichen Dank.“ „Hallo Victoria, schön Dich wieder mal zu sehen“, antwortete das Christkind und lächelte ihr freundlich zu. „Wir können gleich ins Aufnahmestudio gehen, unsere Sendung beginnt in wenigen Minuten“. „Nun, dann lass uns gehen“, antwortete das Christkind und folgte Victoria ins Aufnahmestudio. „Einen wunderschönen guten Morgen, hinaus in die weihnachtliche Welt. Hier ist eure Victoria. Bei mir ist heute ein ganz besonderer Gast zum Interview. Ich freue mich sehr, heute das Christkind bei mir begrüßen zu können.“ „Herzlich willkommen, liebes Christkind und vielen, vielen Dank, dass du meine Einladung angenommen hast.“ „Ich bin sehr gerne Deiner Einladung gefolgt, liebe Victoria.“ „Liebes Christkind, morgen ist der Heilige Abend, und viele Menschen, vor allem die Kinder, warten auf Deinen Besuch und vor allem auf die Geschenke – wie schaffst Du das alles?“ „Nun, ich arbeite ja nicht alleine, ich habe jede Menge lieber Helfer – meine Engel, und natürlich nicht zu vergessen meinen lieben Freund, den Weihnachtsmann mit seinen Wichteln und Elfen. Sie alle helfen mir schon in der Vorweihnachtszeit, die zahlreich bei mir einlangenden Briefe mit den kleinen und großen Wünschen der Kinder zu sichten, zu sortieren, zu verpacken und zu verteilen.“ „Haben sich die Wünsche der Kinder im Laufe der Jahre verändert?“

„Nun, ja schon. Wie sich eben auch unsere Zeit verändert hat. Alles muss groß, bunt, technisch auf den letzten Stand sein, und so liegen im Spielzeuglager vom Weihnachtsmann am Nordpol, sehr viele aus der Mode gekommene Spielsachen herum, die traurig sind, dass sie keiner mehr haben will. Ein Teddybär muss heutzutage sprechen können oder sich in ein Auto verwandeln können. Einfaches Spielzeug, bei dem die Kinder selbst kreativ sein müssen, ist heute leider nur mehr selten gefragt. Das macht mich schon ein wenig traurig.“ „Christkind, ich erinnere mich, auch ich habe Dir zahlreiche Briefe geschrieben, mit großen und kleinen Wünschen.“ „Ich habe jeden Deiner Briefe aufgehoben, Victoria, und natürlich auch die kleinen Geschenke, die Du für mich ins Fenster gestellt hast. So gut ich konnte, habe ich versucht, die größten Deiner Wünsche zu erfüllen und immer wenn ich am heiligen Abend durch mein großes Fernrohr in eure Weihnachtsstube geguckt habe, Deine Freude, Dein Lachen, Deine Begeisterung gesehen habe, wusste ich, dass die größten Wünsche für Dich in Erfüllung gegangen sind.“ „Ja, wenn ich mich so zurückerinnere, liebes Christkind, dann war das so. Einer meiner Herzenswünsche jedoch, ist leider nicht in Erfüllung gegangen.“ „So – welcher denn?“ Das Christkind strich sich eine widerspenstige goldene Locke aus dem Gesicht. „Als kleines Mädchen wollte ich dich immer sehen und habe in der Vorweihnachtszeit sehr oft zum Himmel geblickt, mit der Hoffnung, vielleicht auch nur eine ganz kleine Feder Deiner Flügel zu sehen. Jetzt sitzt Du hier bei mir im Studio und ich kann es irgendwie noch gar nicht fassen.“ Da Christkind lächelte und sagte: „ Du kannst Dir sicher vorstellen, liebe Victoria, dass ich mit meiner Arbeit am Heiligen Abend sehr schnell sein muss. Es warten ja so viele Kinder auf mich. Hätte ich, wie schon gesagt, meine Helfer nicht, würde ich es gar nicht schaffen.“ „Liebes Christkind, eine Frage möchte ich Dir noch zum Abschluss unseres Gesprächs stellen. Das Fest zu Heilig-Abend hat ja eigentlich eine ganz andere Bedeutung, als wie wir es heute auslegen, wie kommst Du damit heute zurecht?“ „Nun – liebe Victoria, Gott sei Dank sehen es nicht alle Menschen auf dieser Welt nur als ein Fest des materiellen Schenkens und beschenkt Werdens, sondern als ein schönes Fest, das man mit den Menschen verbringt, bei und mit denen man sich wohl fühlt, mit denen man gemeinsam lachen und sich freuen kann. Und ich gebe hier die Hoffnung nicht auf, dass diese Menschen ein wenig Vorbild sind und es hier wieder eine Umkehr geben wird.“ „Das finde ich sehr schön“, antwortete Victoria. „Leider ist unsere Zeit schon wieder zu Ende. Liebes Christkind, ich habe mich wirklich sehr über Deinen Besuch hier bei mir im Studio gefreut. Jetzt halte ich Dich aber nicht mehr länger auf, den ich denke, dass Du bis morgen noch jede Menge zu tun hast.“

„Ich habe hier noch ein kleines Geschenk für Dich, liebe Victoria“, sagte das Christkind. Es überreichte Victoria eine hübsche weiße zart gold glitzernde Feder. „Diese Feder ist aus meinem Herzensflügel, das ist der auf der rechten Seite. Bewahre sie gut auf, und wann immer Du einen Wunsch hast, nimm diese Feder und denk an mich.“ Und dann war es weg, das Christkind. Ein süßer Duft von Zuckerwatte blieb im Raum hängen. Victoria öffnete rasch das Fenster und konnte gerade noch einen Flügel vom Christkind hinter einer kleinen Wolke verschwinden sehen. „Liebe Leute, das war mein Gespräch mit dem Christkind – ich wünsche euch allen ein wunderschönes, besinnliches friedvolles Weihnachtsfest. Bewahrt das Lachen, die Fröhlichkeit, das Wünschen und das Hoffen in euren Herzen – und vor allem, liebe Kinder, denkt daran, das Christkind vergisst niemals auf euch.“

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